Buchkritik

Buchselbstkritik 15: Bernem – der Durst war größer als die Angst

„Dem klassischen Fundus der Götter- und Heldensagen sind die im Frankfurter Stadtteil Bornheim beheimateten Protagonisten nicht entstiegen. Doch ihre unverzagten Bemühungen, beim Überleben Anstand zu bewahren, sind allemal honorabel. Von außen erscheint ihr Alltag ein wenig skurril: Die zusammengewürfelten Freunde des (unfreiwilligen) Koordinators Tscharke versammeln sich allabendlich in seiner Wohnung zwecks gemeinsamer Freizeitgestaltung. Wenn sie nicht gerade am Wasserhäuschen herumhängen. Orgien mit Ahoi-Brause, Schweiß-Partys, Selbstversuche mit Gref-Völsings Rindswürsten … die Ideen gehen der hedonistischen Low-Budget-Gesellschaft jedenfalls nicht aus. Der Autor selbst klassifiziert seine Hauptpersonen als „verdeckte Ermittler der Weltseele.“ Vielleicht hat er untertrieben. Sein Frankfurt-Roman balanciert zwischen Schelmenstück und Sozialstudie. Der kritische Gehalt erhellt (hoffentlich), wenn psychopathologische Defekte, Todesahnungen und perennierender Geldmangel schroff ins Bild ragen.“

Wenn Mangel ragen kann. So weit jedenfalls der Klappentext. Zu einem aus gewissen Gründen immer noch unveröffentlichten Roman. Einer wäre der Dialekt; es erschien mir nicht möglich, so tief in die Lebensrealität einzutauchen wie beabsichtigt, ohne den Text mit Mundart zu überwürzen. Da besteht ein Unterschied: begabten Komikern wie Badesalz oder Mundstuhl locker zuzuhören oder Frankfurter Dialekt zu lesen. Auf Dauer ist das anstrengend. Wenn man´s nicht gewöhnt ist.

Für den Fall einer Veröffentlichung wäre die bürgerliche Kritik prognostizierbar: Da macht sich einer lustig! Über arme Leute! – Stimmt. Sogar im O-Ton. Als das Frankfurter Gallusviertel noch kein Hotspot war, sondern „Worschtquartier“ genannt wurde oder „Kamerun“, als 20 x so viele Wasserhäusje wie Kultureinrichtungen dort zu finden waren, wuchs ich dort auf. Es war wie auf dem Dorf: alle kannten alle. Wichtigste Überlebensstrategie schon damals: Selbstironie. Autosarkasmus. Wenn das mal reicht. Jedenfalls (meine Oma, die auch dort wohnte, leitete jeden Satz mit „jedenfalls“ ein): Eine Schule des Humors. Von unten. Einen anderen gibt es nämlich nicht. Es sei denn, man findet britischen Landadel wirklich witzig.

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