Buchkritik

Buchselbstkritik 17: Himmelberg

Für all die Verdienste um den europäischen, vor allem den deutschen, insbesondere den nordbadischen Weinanbau müsste man diese Familie eigentlich in den Adelsstand erheben. Aber das wurden sie ja längst, vor ein paar Jahrhunderten gar, die zu Hoensbroechs. 1968 haben sie ihr entzückendes Weingut im Angelbachtal gegründet … und weiße Burgunder von bis dato in unseren Breiten ungekannter Eleganz und Klarheit geschaffen.

Wer dorten, unterhalb der Lage Himmelberg, zu Gast sein darf, wird sich dem Zauber der Geschichten nicht entziehen können, die in der Familientradition bewahrt werden. So war es dem Verfasser unmöglich, auf eine literarische Bearbeitung Verzicht zu leisten. „Himmelberg“ wird zwar als Wein-Krimi verkauft, speist sich aber aus den unterschiedlichsten Genres: hier eine Prise Gebrüder Grimm, dort ein Messerspitzchen Spionage-Thriller, andernorts eine Kelle voll Dan Brown-Mystery, immer mal wieder ein Krümelchen Courts-Mahler … und dann und wann die gute alte Novelle, wie wir sie seit Storms Tagen kennen und lieben.

Ganz ohne Bösewicht kommt man natürlich nicht aus. Islamist geht immer, dacht ich da bei mir, widmete den Rest des Buches aber dem interkulturellen wie interreligiösen Austausch. Selbstverständlich wird auch dem Wein gehuldigt, dem Traminer zumal, der heute noch, vermählt mit Riesling, auf der Karte des Hauses – gottlob! – zu finden ist. Ob das Buch wirklich Spannung aufbaut? Die einen sagen so, die andern? Wer ein Schockmoment nach dem anderen erwartet sowie viel Folterspaß für Alt und Jung, wird natürlich enttäuscht; Freundinnen sowie Freunde des freien Fabulierens sowie einer dezenten handlungsgrundierenden Ironie kommen aber schon auf ihre Kosten, hoffe ich.

Wenn ich ehrlich sein soll, dann gebe ich unumwunden zu, dass ein Hauptantrieb zur Abfassung des Himmelbergs die Gelegenheit war, Rüdiger Graf Hoensbroech bei einer Reiterattacke zu zeigen. Dass er die Kavallerie samt Schimmel sozusagen ganz alleine repräsentieren muss, gibt der Angelegenheit eine gewisse pazifistische Note. Ob der Angriff erfolgreich verläuft? Nun, man kann das herausfinden: indem man sich in die nächste Buchhandlung begibt. Die Auflage ist noch nicht vergriffen!

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