Buchkritik

Buchselbstkritik 26: Das Mesa-Projekt

„Raubkatzen springen dich an, schwarze Panter. Sie bleiben unkenntlich; die Augen flackern. Du fühlst ihr Fell. Sie riechen: nicht beißend, nicht stechend wie Tiere in Gefangenschaft. Du wirst mitgeschleift. Was für ein Tempo. Der Gang im Zwielicht, es raschelt, es rauscht, vorjähriges Laub fliegt auf. Freiwillig wärst du nie hergekommen. Jetzt öffnet sich ein Raum, erhellt von brennendem Öl in Kupferschalen, die auf Säulen ruhen. Hier ist das Rauschen noch stärker, vielleicht ein Flattern, ja, jetzt kannst du sie sehen: violette Flügel, unzählige, füllen die Luft. Wenn schon unendlich viele Engel auf eine Nadelspitze passen, wie viele sind dann hier drin? Was gibt dir das Recht zu glauben, es wären Engel? Harpyien fliegen auch. Man führt dich (wer nur?) zu einem Becken. Drei Stufen runter. Auf der Flüssigkeit schaukeln Blätter. Federn, Zimstangen. Du wirst untergetaucht, sanft, doch unnachgiebig. Merkwürdig: Du kannst weiteratmen! Viel besser sogar als oben. Dann hörst du die Gitarre. Wie hieß dieses Lied noch, wie hieß es nur …“

Haben Sie es erkannt? Eine Flasche Agnus Reserva wird da beschrieben. War doch ganz eindeutig, oder? Es handelt sich um den einmaligen Versuch, Weinbeschreibung aus rein poetischer Sicht zu wagen. Nix rote Früchte, Mocca-Note, Unterhose. Ob es den Auftraggebern gefallen hat? Sie haben sich nicht geäußert. Hatten auch Wichtigeres zu tun: Wein & Vinos an Hawesko verkaufen … Eigentlich eine lustige Geschichte: Ein paar Berliner Studenten bringen von ihren Spanien-Urlauben immer mehr Wein mit, weil Berlin eben Durst hat, so wird eine Weinhandlung draus … und schließlich ein kleines Imperium.

Immerhin hatte ich die Ehre, einen der Jungunternehmer in seinem Riesenloft in Charlottenburg besuchen und interviewen zu dürfen. In die Krimi-Handlung wurden sechs Weine eingeflochten – allesamt Spanier, selbstverständlich. Die FAZ hat sich später beschwert, was für eine mistige Trittbrettfahrerei das sei. Kann man so sehen. Für mich war´s eher ein Spiel. Im Wein-und-Vinos-Katalog wurde das Taschenbuch auch ganz toll beworben. Millionäre sind weder der Verleger noch ich geworden. Aber die Recherche war schön. Nein, nicht in Spanien. In Berlin.

Dabei geht es im Zentrum um eine Entführung aus der Hauptstadt mittenhinein in die entlegenste Meseta. Flucht, Verfolgung, Liebe, Terror, Zugunglück, alles inklusive. Also die ideale Urlaubslektüre für James-Bond-Fans. Und für Liebhaber*innen spanischer Weine.

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