Buchkritik

Kraichgau-Stromberg Weinlesebuch

„Die Liebe eines Autors zu seinem ersten Werk lässt sich in ihrer Zärtlichkeit mit nichts vergleichen!“ Wer hat das noch gesagt? Wahrscheinlich ich gerade. Für den heutigen Fall ist die Behauptung natürlich Kokolores: Das „Kraichgauer Weinlesebuch“ von 2007 war ziemlich genau mein 727. „Werk“, aber den Kram vorher wollte einfach keiner drucken. Danke, Thomas!

Wollte ich mich selber zum Herstellungsprozess befragen, und das will ich, so müsste ich antworten, und das werde ich: Es war keine Arbeit, es war „ein Flug durch tausend Frühlingshimmel.“ (Zitat geklaut bei Robert Schumann.) Von Ende 2003 bis Anfang 2007 durchstöberte ich Kraichgau und Stromberg, angeregt durch ein paar Reben, die ich aus der S-Bahn auf der Fahrt von Karlsruhe nach Heidelberg (oder war´s umgekehrt?) zu meinem Erstaunen erspähen konnte.

Dem „Wein Gourmet“, schlug ich eine Serie vor: „Die Weinwanderungen des Conde Guelmo“ – und zwar in möglichst unbekannte Anbaugebiete. Größtenteils war ich wirklich zu Fuß unterwegs oder per Veloziped. Anfangs schritt ich in Begleitung von Fotograf Adi Bachinger, später ging´s per Automobil weiter mit Regisseur, Autor und natürlich Fotograf Gert Steinheimer. Das Dolle: Es gab nicht einmal eine Liste aller Weinbaubetriebe. Wie der selige Taugenichts (sic!) musste man sich durchfragen, von Winzer zu Winzer, ob denn vielleicht im nächsten Dorf ein solcher seiner fruchtbringenden Arbeit nachgehe. Im Schlusssatz wagte ich eine Zusammenfassung der Ereignisse: „Wie der Bodensee ein bedeutendes Reservoir für Trinkwasser, so der Kraichgau für irdisches Glück!“ Christopher Paul hat mit seiner Verfilmung „Unentdecktes Weinland Kraichgau“ sehr wesentlich zum Erfolg beigetragen. Wollte man unbedingt etwas Kritisches einwenden, so könnte man erwähnen, dass der Weinbuchautor, als er auszog, ein Weinbuch zu schreiben, von Wein so gut wie keine Ahnung hatte. Aber als er zurückkam, da sah´s schon besser aus. Wobei, das muss immer eingestanden werden: „Weinkenner“ sind die Leute, die in Geisenheim Önologie studierten. Oder in Weinsberg. Oder sonst wo auf der Welt.

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