Tageskarte

Tag 6: Goethe-Frikassee

Also gut: Goethe! Wie versprochen. Nein, wir haben nicht alles höchst persönlich aus „Dichtung und Wahrheit“ etc. herausgefummelt. Da gab es berufene Kollegen, die wir hier gleich loben wollen: Der Herren Bockholt und Frauenberger „Goethe Kochbuch“ steht seit Mitte der 90er in jedem Kochbuchregal, das halbwegs auf sich hält, herum. „Da hab ich mich umsonst besoffen …“ lautet der neckische Titel von Bockholts gelehrten Herzensergießungen zum Thema „Goethe und der Wein.“ Rührend in jeder Hinsicht: „Das Kochbuch von Goethes lustiger Tante Melber“, mitherausgegeben vom Nachfahren Ernesto, der kürzlich das wirklich klasse rekonstruierte Haus am Frankfurter Hühnermarkt besucht hat, weltliterarisch nobilitiert durch Johann Wolfgangs Kindheitserinnerungen.

Und dann wäre da noch das Kochbuch der Lindheimerin, Goethes Oma, ein seinerzeit standardgebendes Werk, das auch den Küchenzettel im Großen Hirschgraben schrieb. „Ein fettes Schmausgen zu machen“, heißen da so ungefähr die Rezeptüberschriften. Manches lässt sich noch gut nachempfinden, anderes macht erschauern – wie etwa die Empfehlung, beim Verfertigen von Johannisbeergelee die Kernlein zuvor mit der Haarnadel aus den Beerchen zu pieksen …

Nun, heut ist Sonntag, sprich, wie aus dem in der Buchkritik kritisierten Buch hervorgeht, ein fränkischer Wochentag. So öffnen wir denn einen Bocksbeutel Silvaner-Steinwein aus Goethes präferierter Lage: „Dagegen sende mir noch einige Würzburger, denn kein andrer Wein will mir schmecken, und ich bin verdrießlich, wenn mir mein Lieblingstrank abgeht.“ Das wollen wir unbedingt vermeiden, auch posthum. Dazu gibt es „Frecassiertes Hühnchen“, strikt unter die Kategorie geheimrätliche Leibspeisen zu rechnen. Hähnchenbrust braten wir in Butter leicht an, nehmen sie aus der Kasserolle und schneiden sie in Stücke. Derweil wird etwas Knoblauch in der Butter geschmurgelt, etwas Mehl hineingerührt, mit Wein gelöscht, süße Sahne und Geflügelfond dazu, kurz aufkochen.

Das war noch nicht alles. Ja, ich geb´s zu. Hab paar Stangen Spargel gekauft. Im Februar! So ein Schwachsinn. Aber der Dichter wollte es. Er wollte auch Morcheln … und ich dachte, ich hatte noch getrocknete. Weg! Einfach weg. Jetzt heißt es improvisieren. Eine Handvoll Trockensteinpilze mit Salzwasser und Pfeffer vor sich hin köcheln lassen: da hätten wir einen wunderbaren Abfall vorweg, ein Tässchen Brühe nämlich – ah! Die Spargeln hat auch schon jemand geschält, in Stücke geschnitten und nicht zu weich gekocht. Alles zusammen mitsamt etwas Zitronenabrieb nebst -saft, Spargelwasser und Pilzbrühe sanft erhitzen, bis das Geflügel schön schlupfrig wird. Nebenbei ward ein Kartoffelstampf erschaffen, den wir im tiefen Teller mit dem Frikassee umgießen. Mit etwas Selleriekraut garnieren. Spinatsalätchen dazu? Spinatsalätchen dazu. Mit Mandeln!

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