Tageskarte

Tageskarte 17: Pesto et al.

Es ist ja immer und überall dasselbe. Kaum recken die ersten im Jahr die grünen Köpfchen, kommt schon die Sense. „Aich hun sou en Haaßhonger uff wos Grrroines!“, gurgelt der Nordhesse und sammelt sich ein „Wissegemois“, indessen im Baur au Lac das Espuma vom jungen Wildkraut mit Taubnessel-Millefeuille in der Wachteleierschale gereicht wird. Alles dasselbe, wie gesagt, und wenn der Küchenhistoriker und der Goethespezialist sich streiten, ob der geadelte Frankfurter eher Salsa Verde, Pesto oder doch die „guud aal Grie Soß“ geliebt hat, so stehen wir achselzuckend daneben: as you like it.

Nun hat es dieser vorzeitigste von allen Früh-Frühlingen seit Beginn der Blabla doch tatsächlich fertiggebracht, dass in einigen Niederungen des deutschen Südens, an verschwiegenen Bachläufen, wo sich nur Unken und Undinen herumtreiben, der fesche Bärlauch im Hornung schon aus dem Boden spitzelt. Zu müde, uns zu bücken, haben wir eine Heidelberger Pfückhelferin ausgesandt, die doch tatsächlich mit einem Bündelchen zurückkam. Brav, Anuschka! (Beweisfoto siehe Musikschrank 17).

Falls bei Euch oder Ihnen die Erde immer noch grau, das Eichenlaub braun und das Gemüt verfinstert sein sollte, empfehlen wir den aufrechten Gang – und zwar zum nächstgelegenen Gemüselädchen, wo längst Rauke also Rucola von Italiens gesegneten Auen die Auslage ziert. Während wir den Bärlauch lieber mit Cashewkernen (zu Deutsch: Früchte vom Nierenbaum, ih!), trockenem Bergkäse, Salz, Pfeffer und gemischtem Öl verstampfen, ziehen wir für Rucola-Pesto tatsächlich Walnüsse, Olivenöl und Parmesan vor. Knoblauch nicht vergessen. Bitte nicht zu mutig quirlen, es soll kein Breichen werden. Sondern – sic! – ein Pesto, ursprünglich im Mörser hergestellt, aber darauf hab ich heute auch keine Lust.

Die Nudeln also nicht zu knatschig kochen, abgießen, Topf ausspülen, Olivenöl und paar Klackse Pesto rein, Pasta untermischen, eventuell einen Schutt Brühe oder Weißwein, je nach Schlupfrigkeitswunsch – und dann, im Teller, mit abermals Pesto, Reibekäse und Pfeffer überziehen. Ehrlich gesagt: Ich nehme auch Sahne. Süße Sahne. Nicht so viel, aber doch genug, um das bzw. den Pesto umso frühlingshafter aufzuhellen.

Im Lauf der nächsten anderthalb Wochen werden wir bestimmt noch der einen oder anderen Variante begegnen, das erste Grün der Göttin Primavera zu opfern. Wie gut, dass sie darauf verzichtet, die Gabe selbst aus der Schale zu mümmeln – sie lässt uns was übrig, wie nett! (Hey, pst, dass so ein Pestolein auch dazu dienen kann, Involtini zu füllen, von welchem Tierlein auch immer, wollen wir nur der Vollständigkeit halber erwähnt wissen. Denn erstens ist das ja gar nicht nötig. Und zweitens? Korrekt: kein Sonntag heute!)

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