Tageskarte

Tageskarte 25: Bauernpfanne surprise

Boah ey, Bauernpfanne, geht´s noch? Darf ich diese Reaktion füglich antizipieren? Ich geb´s ja zu: eine dumpfere Bezeichnung für eine Mahlzeit wurde selten erfunden, da kommt nicht mal das gefürchtete Ratsherrentöpfchen mit … Sofort schwebt der rosa Elefant unter der Decke. Sprechen wir´s ruhig aus: Resteessen. Hatten wir letzte Woche schon mal. Macht aber nix, im Gegenteil: Wir schwören drauf. Schon mal den Unterschied bemerkt? Du befindest dich auf einer Wanderung, kehrst in ein ausgesprochen ländliches Gasthaus ein – und bestellst dir mit Lust, was du zu Haus niemals kochen würdest.

Drei Eier mit Blutwurst zum Beispiel, auch Odenwälder Pizza genannt, wenn die Pfanne groß genug, das Rührei demzufolge Omelette-flach und die Blutwurst in Kreise geschnitten ist. Stückchen frisches Brot dazu – welch Labsal! – Was hätten wir denn noch so auf der Vesperkarte, „nur von 15 – 17.30 Uhr?“ Die Sülze natürlich, wobei die „Bauern“- die „Schweinskopf“- in puncto Renommee diesmal sogar aussticht. Egal, Hauptsache es kommen Zwiebeln, Essig und Öl dran und Bratkartoffeln dazu. Wie sieht es mit dem Wurstsalat aus? Steht zu Hause manchmal auf dem Programm? Käsespätzle auch? Na dann. Vom „Restaurationsbrot“, geschmückt mit 2,5 Petersilienröschen und einem Paprikaschnitz, der sich blutig in den Tilsiter-Scheibenkäse eingebohrt hat, wollen wir schweigen. Für viele heißt Abendessen immer noch: vorgeschnittenes Graubrot (sic!) mit Aufschnitt zu belegen, basta. Für den kompletten Krankenhauseffekt empfehlen wir lauwarmen Früchtetee dazu.

Schnell weg und zurück zu unserer – autsch! – Bauernpfanne. Jau, wir haben Kartoffeln übrig, die wir kleinscheiden und zu den bereits in der Pfanne brutzelnden Zwiebeln geben. Speck? Keiner im Hause. Aber ein bisschen Leberwurst, scharf anbraten, bitte. Ein paar weiße Bohnen hätt ich auch noch, passt überhaupt nicht, aber nix wie dran. Die Eier werden nicht mit Mehl und Milch omelettiert, sondern einfach so drangeklatscht und zerstochert. Salz, Pfeffer, vielleicht was Grünes zum Drüberstreuen? Und Brot dazu. Glas Schorle. Fertig.

Bei Schorle denkt man womöglich gleich an die Pfalz, wo eine Abart der Bauernpfanne gereicht wird, heißt dann Hoppelpoppel oder auch ganz anders. Da liegt – landestypisch – der Schwerpunkt – in jeder Hinsicht – auf den beteiligten Würsten, vor allem Blut- und Leber-. Wenn das schön rösch angebraten wird, lässt sich eine Unmenge davon vertilgen, man glaubt es kaum. Und wie bei so gänzlich unprätentiösen Gerichten Usus ist: Man verbindet etwas Mütterlich-Fürsorgliches damit. So gebe ich denn unumwunden zu, dass so eine Pfanne voll mich ins Leben zurückgeholt hat, einst, nach einer Nacht in der Geburtsklinik Germersheim. Es gab Gewürztraminer dazu. Viel Gewürztraminer.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.