Tageskarte

Tageskarte 26: Tapas

Jetzt hab ich doch glatt vergessen, die Tortilla zu machen. Na ja, fällt wahrscheinlich eh nicht auf. Denn der Tisch wird voll. Wie immer, wenn es irgendwo Tapas gibt. Also die halbwegs echten. Keine Schwapas (schwäbische), Hapas (hessische) oder – ach so, wie sagen eigentlich die Thüringer? Es gibt ja auch nichts Praktischeres auf der Welt. Wenn man das bisschen Mühe nicht scheut. Bunt wird es sowieso, und alle sind immer begeistert. Auch ohne Tortilla.

Niemals fehlen dürfen die Patatas Bravas. Pellkartoffeln in sehr salzigem Salzwasser kochen – kriegen wir hin. In Stücke schneiden – nach dem Abkühlen auch nicht sooo schwer. Pfanne mit Olivenöl erhitzen – na bitte. Ab jetzt (wahrscheinlich schon vorher) gibt´s mehrere Varianten. Nachdem die Dinger kross sind, Chili- und geröstetes Paprikapulver dran, vor dem Servieren Aioli drüber kreiseln, bei Bedarf noch etwas Chili-Öl.

Aioli? Genau. Hier weichen wir nun ab von purer Mayonnaisigkeit, sondern greifen auf ein Rezept zurück, das mir mal eine freundliche Dame verriet, versehen mit dem Hinweis, es sei das einzige Gericht, das sie halbwegs hinbekäme. Und die Bedienungsanleitung stamme von einem echten Spanier! Eigelbe mit Salz und Pfeffer würzen und pürieren, mit nach und nach zugegossenem Olivenöl aufschlagen. Das ist nicht immer so leicht, drum nahm und nimmt bestimmte besagte Informandin Weißbrotinneres, patscht das mit Zitronenabrieb und Zitronensaft dazu und mixt nach Kräften. Erst dann – nicht vorher, Freunde! – Knoblauch nach Belieben auf dem Reibchen reinreiben. Wer sich so neckisch denkt, hach ja, pürrier´ ich den doch gleich mal mit dem Mixer mit, produziert die schiere Bitterkeit. Und das Leben ist doch schon bitter genug, stimmt´s?

So, weiter: spanische Oliven jeder Geschmacksrichtung, einige davon zum Salat, den wir aus Salat herstellen (hui!), aber auch aus Gurke und was sonst noch da ist, jedenfalls mit geriebenem Manchego und einer Vinaigrette aus Zitrone (schon da), Aioli (genau), Salz und Pfeffer. Und ein paar Serrano-Schinkenstreifen elegant drüber hin applizieren. Da wir die Tortilla vergessen haben, rasch noch ein paar Weißbrotscheiben getoastet, sowie frisches Weißbrot in dicke Scheiben schneiden. Ei, warum das?

Weil noch was kommt. Pfanne mit eher mehr als weniger Olivenöl heiß, aber nicht zu heiß machen, Sambal Olek oder ähnliche Unerträglichkeiten nach Geschmack dazu tröpfeln, also Hauptsache mittscharf bis scharf, dann aufgetaute oder gar frische Garnelen hineinschütten (Achtung spritz!). Wenn da noch ein bisschen Salzwasser dabei ist – gar nicht schlimm. Die Garnelen nicht allzu lange braten. Schmecken nicht schlecht. Was aber der Hit ist: die ölige Soße! Und genau dafür brauchen wir das weiche Weißbrot. Reintunken. In den Mund stopfen. Ay caramba!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.