Tageskarte

Tageskarte 29: Pälzer Pizza

Was gibt es Schöneres auf Erden als übriggebliebene Knödel? Ganz gleich ob Semmel-, Kartoffel oder – tja, was eigentlich, jedenfalls, man kann ja so viel Gutes daraus machen. Die „Odenwälder Pizza“ haben wir kürzlich schon erwähnt, also Blutwurstscheiben im Pfannkuchen drin. Das Mittelgebirge ist dabei nahezu austauschbar, denn das Rezept firmiert u.a. auch unter Pfälzer Pizza. In Dietrichs Bierakademie in Ludwigshafen wurde bereits vor Jahren untern diesem Namen etwas anderes aufgetragen: gebackene Knödelscheiben in Ei. Das machen wir heute.

Wie man aus Knödeln Knödelscheiben herstellt, ist bekannt, oder? Gut gemacht! Jetzt verrühren wir je nach Pfannengröße und Hunger Eier mit etwas Mehl, wenig Milch sowie Pfeffer und Salz. Klingt öde. Ist es auch. Zugegeben. Ein bisschen. So ein Pfannenkuchen – na ja. Man muss schon aus Hungerregionen stammen oder im 19. Jahrhundert geboren sein, um ad hoc in Jubel auszubrechen, wenn so einer aufgetragen wird. Doch alles Mögliche kann man anstellen, um den Flachling aufzumotzen. Eiweiß schlagen, mit Zimt und Zucker versehen, Zucker karamellisieren lassen, Schokoladen hineinschmelzen … Aber das ist ja alles süß! Und mit Knödeln zusammenpatschen? Bitte nicht.

Also. Wir nehmen natürlich Butter und lassen sie in der Pfanne bräunen. Dann erst das pizzaähnliche Konstrukt drin ausbacken. Zwischendurch legen wir den Deckel drauf, damit das Ding schön saftig wird. Aber: Es braucht auch noch was Grünes. Salat daneben reicht nicht, es muss auch was hinein. Oder zumindest drüber. Viel frischer Schnittlauch macht was her. Einen anderen Lauch, einen bärigen, haben wir heute Morgen gesammelt; der kommt kleingehäckselt mit in den Teig hinein. Ein bisschen Käse tut sein Übriges … und siehe da, aus dem fettigen Langeweiler ward ein adrettes Kerlchen mit jugendfrischem Charme.

Wagen wir den weltweiten Rundblick, so lernen wir unschwer, dass all überall mit Grünzeug operiert wird, sobald es um die Omeletteartigen geht. Spinat, Lauch, Drachenkraut (also Estragon), Gurken gar sowie jedwedes Gestrüpp, das man kleinschneiden kann, findet sich in der guten Gesellschaft der Eier wieder. Über mehr oder weniger kompliziertes Omelette surprise führt der Weg hinauf zu den Soufflés, darunter ein besonders empfehlenswertes aus Burgund: mit Kürbis! Morchel-Sößchen dazu, schon denken alle, man könnte kochen.

Damit ich´s nicht vergesse, eine andere Variante – die einfachste – stammt ebenfalls aus Frankreich, aber aus dem Norden: Galette. Am besten Buchweizenmehl mit Salz und Wasser zu einem dünnen Teig verarbeiten und kleine knusprige Küchlein ausbacken. Ziegenfrischkäse, Lachs oder Queller (Salicorne) drauf – und einen Humpen Cidre dazu!

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