Tageskarte

Tageskarte 30: Spaghetti Gorgonzola

Schließen wir bescheiden. Was nicht heißen muss: weniger köstlich. Oder gar ungesund. Vor lauter Übereinsatz haben wir statt 49 Cent für Discounter-Spaghetti 2,69 EUR bezahlt, um uns und allen anderen eine Freude zu bereiten. Ist ja auch wirklich viel verlangt: ein paar Kilometer um die Ecke biodynamisch gewachsene Feldfrüchte! Verarbeitet in Bruchsal. Geschmacklich – na ja, dasselbe. Wie der gigantische Preisunterschied zustande kommt? Werden wir nicht kleinlich. Sondern kochen die Kostbaren al dente. Kein Öl ins Wasser, klar?

Haben wir die Edel-Spezial-Vorzugsnudeln brav ins Sieb gegossen, kurz den Topf ausspülen. Jetzt aber: das Olivenöl. Nicht zu heiß, denn da will Knoblauch rein, viel, in Spalten geschnitten. Ein wenig andöseln. Jetzt der Gorgonzola: schön schmelzen, bisschen Wein, Brühe, Sahne hilft dabei und macht die Soße länger. Und etwas Zitronensaft weniger fettig. Salz wird nicht mehr viel nötig sein. Aber Pfeffer. Und die noch warmen Spaghetti drin wenden und erhitzen. Ob da wirklich auch noch Parmesan drüber soll? Ja, muss. Man sollte keine Gelegenheit auslassen, Parmesan zu verstreuen. Das bringt Glück! Um eine Art Bottarga-Effekt herzustellen, reiben wir auch noch Zitronenschale drüber. Nuss- oder gewürzte Semmelbrösel wären ebenfalls eine Möglichkeit. So. Das war´s für heute.

Oder doch noch ein Salätchen vorweg? Na gut. Braune Champignons in Streifen säbeln, Vinaigrette aus Zitronensaft, Salz, gepresstem Knoblauch, Olivenöl und Pfeffer herstellen, vielleicht noch ein frisches Kräutlein hinzu. Schmeckt wunderbar saftig, wenn´s ein wenig durchgezogen hat. Mit frischem Weißbrot zusammen schon eine reguläre Zwischenmahlzeit. Vor allem, wenn es vorher schon Bruschette mit Walnuss-Pesto gab: die Nüsse mit Pecorino, Knoblauch, Salz, Pfeffer und Öl zu einem festen Brei, keinem Matsch, verarbeiten. Auf Röstbröt!

Jetzt reicht´s aber wirklich. Für heute. In den nächsten Wochen gibt es mich bzw. die Tageskarte nur noch unregelmäßig, aber mindestens einmal die Woche. Die grobe Richtung wird beibehalten, also nur sonntags Fleisch, eventuell einmal wöchentlich Fisch, Schinken oder Würste. Ansonsten passen wir uns wie immer der Jahreszeit an. Bald lugt die erste Grüne Soße ums Eck. Nicht mehr lange, dann fingern schon die Spargeln aus der Erde. Und dann gibt es kein Halten mehr.

Frühlingsküche, Sommerküche … Um Ostern, selbst gegen seinen erklärten Willen, meldet sich der meist Sonntagsbraten freiwillig ab. Auch die Festtagsküche wird dann eine andere. Nachteil: Es steht dann meist kein Topf mit frischer Brühe mehr auf dem Herd, hinten rechts. Mal sehen, wie wir das kompensieren. Überhaupt: mal sehen …

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