Tageskarte

TAGESKARTE 5

TAGESKARTE: Veggie-Burger „Attila“

Bevor wir uns morgen endlich der wahrenschönenguten Goethe-Küche zuwenden, wird es jugendlich-modern. Liegt am Buch, das heute verrissen wird, „Rotstich“, in dem ich die junge Winzerin Henriette viel zu früh aus dem Leben scheiden lasse. Schande und mich und über alle megalomanen Möchtegern-Krimiautoren! (Der Hintergrund freilich ist ein furchtbar ernster: Jedes Jahr werden Weinbautreibende von Weinbergtraktoren zerquetscht, vor allem in Steillagen, da die Dinger leicht umkippen. Dabei gibt es längst Vorrichtungen, die das verhindern können. Liebes, gutes  Bundeslandwirtschaftsministerium, hier wäre mal ein sinnvolles Investitionsfeld: Bitte vorschreiben und durchfinanzieren!)

Nun, Henriette hat lange in Berlin gelebt, wahrscheinlich war sie die längste Zeit Vegetarierin und hat, wenn überhaupt, fleischlose Burger gefuttert. (Noch eine Anregung für eine Vorschrift: Niemand muss ein Tier, das sich auf der Weide viel besser macht als im Sanitärstall, unbedingt umbringen, um so ein Wabbelbrötchen gescheit hinzukriegen; vor lauter Überwürzung schmeckt man eh kaum was von der Frikadelle, ob nun dry aged beef, Tofu oder gepullte Jackfrucht. Meine Meinung.)

Kann sich noch jemand an das verheerende Selbst-Interview von Attila Hildmann erinnern? Nachdem er Myriaden zu einem genussorientierten  Veganismus bekehrt hatte, wurde er beim Burger-Verschlingen ertappt. Mit Rind. In seiner Youtube-Stellungnahme gab er an, nicht mehr länger mit so Vegetariern wie … wir wissen schon, in einen Smoothie-Mixer geworfen werden zu wollen. Oje. Und dann sprach er vom Leid unzähliger Pflanzen, die von so Leuten wie ihm und anderen, die er dazu gebracht hat, zu Tode gemümmelt werden.

Kleingeister zeigen jetzt mit dem Finger auf ihn. Wir wissen: Jeder labert mal Scheiß, vor allem, wenn der Druck steigt. (Bzw. die Druckauflage.) Sie´s drum, hier eine Abwandlung seines epochalen Asia-Burgers. Wer unbedingt will, backe sich die Brötchen selber, ich hab erträgliche gekauft. Bio-Laden, mit Sesam. Diese demnächst in den Backofen applizieren, OK? Sodann stellen wir einen frischen Pamp her aus geraspelten Möhren, Salat, Staudensellerie, Paprika, dazu Zitronensaft, Essig, Erdnussmus, Sojasoße, Agavendicksaft, Chili und Salz. Klingt ekelhaft? Klingt ekelhaft.

Schmeckt aber super in der Kombi. Denn den Brambes klatschen wir jetzt auf die Burgerbrötchenunterseite, schichten eine Scheibe in Sesam gewendeten und scharf angebratenen Tofu oder so was drauf, belästigen die Innenseite der Oberseite mit Ketchup und kleben da Gurkenscheiben rein, gerne süß-sauer eingelegte. Schnell zuklappen, sonst rutscht alles über den Teller. Wie man Süßkartoffelpommes aus dem Backofen dazu herstellt, lehrt Euch der Ottolenghi-Yotam. Sind wirklich knusprig!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.