Tageskarte

Tageskarte Woche 2: Hoppe-Hoppe Raita

Es ist Sonntagabend und noch hell, und wenn man nicht in Nordhessen wohnt, zwitschert milde Sonne durch die Kirschblüten. Ei, was macht man denn da? Man gondelt erst mal durch den Wald. Unterwegs bildet sich so etwas heraus, so eine Lust auf – Joghurt? Joghurt! Huch, war das nicht dieses Zeug, übersüß und künstlich aromatisiert, das man mit 11 in sich hineingekleckert hat? Viele Hiesige kennen Joghurt nur aus schlimmen nahrungsmittelindustriellen Zusammenhängen oder als „Schlankheitstipp“ aus dem Trend-Magazin für das 0,5 %-Leben. Sobald wir aber das Mittelmeer überqueren, geradeaus nach unten oder schräg nach – äh –  links, findet sich eine solche Fülle und Vielfalt davon, dass man schier drin unterzugehen droht. (Auch kein schöner Tod.)

Damit ist jetzt nicht mal der Nachtisch Nr. 1 gemeint, Aphrodites Lieblingsdessert, yaourti kai meli, Griechischer Joghurt mit Honig. Wobei, den Griechischen Joghurt behalten wir mal bei, denn der entspricht, heißt es, von ungefähr diesem Milchprodukt, wie es vom Kaukasus bis zum Hindukusch für Raita-Speisen verwendet wird. Zugegen, Folgendes ist zu 85 % bei Ottolenghi geklaut, doch was soll´s, ihm gebühren ohnedies Ruhm und Ehre und das Widderhorn erschalle zu seinem Lobpreis.

icht so schwer selber zu machen, aber noch einfacher in Plastik eingeschweißt einzukaufen ist.zu, also am besten Naan, das gar

Gurken gibt es schon, sogar die kleinen, die wir nicht schälen, aber von ihrem inneren Glibber befreien und in Stückchen schneiden, so. Ähnlich  verfahren wir mit einer roten Zwiebel und ein paar Cocktailtomätchen (hier Glibber drinlassen) sowie rotem Rettich oder Radieschen, so dass am Ende eine gehörige Portion Rohkostwürfel sinnlos in unserer Küche herumliegt. Doch wartet, schon naht die Besinnung: in Form von: Joghurt. Form ist gut, da schälen wir ihn nämlich heraus und verrühren ihn mit frisch kleingehäckselter Minze, Salz und Zitronenabrieb, außerdem gemahlenem Kreuzkümmel. Für ein anderes Sößchen wird Zitronensaft mit Olivenöl, etwas gelber Chilischote und Salz püriert. Ui, ist das scharf!

Aber macht nix. Denn endlich kommt ja doch alles zusammen in eine flache Schüssel, die wir zuvor mit großen Salatblättern ausgelegt haben. Da drauf die bunten Würfel, drüber den Joghurt-Bribbel und dann – mit Augenmaß – die gelbe Emulsion dahin spiralisieren. Gemörserten Kreuzkümmel drauf und (unbedingt!) warmes Fladenbrot dazu, also am besten Naan, das gar nicht so schwer selber zu machen, aber noch leichter in Plastik eingeschweißt im Bio-Markt einzukaufen ist.

Meister Yotam ermuntert ja ausdrücklich, seine Rezepte zu variieren, drum wurde beim heute ausnahmsweise so populären Joghurt auch schon mal mit geriebenem Ingwer experimentiert, auch mit Harissa, Piment und sogar Schwarzkümmel. Geht alles. „Geduldig wie ein Joghurt“, lautet ein bekanntes Sprichwort aus dem nördlichen … äh, gerade vergessen.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.