Tageskarte

Tageskarte Woche 4: torta pasqualina

Zugegeben, traditioneller Weise wird diese innen grüne Torte vor allem am Ostermontag gefuttert, da hab ich sie auch gemacht, und auf einmal ist schon wieder Pfingsten. Also fast. Wie reden wir uns da raus? Nun, es geht ja darum, Grünes in irgendeiner Legierung in Teig zu stopfen und dann durchzubacken. Und die Zeit der kleinen grünen Freunde, die gar nichts anderes wollen als gerupft, blanchiert und mit Eier-Käse-Schlonze vermengt zu werden, läuft ja gerade auf Hochtouren! In unserem Rezept ist es der Spinat, das Oxalsäuremonster. Nahezu jedes Kräutlein könnte man verwendet, mit entsprechendem Kompositionsgeschick freilich.

Lust auf backen? So zwölfmal ganz dünne, leicht zerbrechliche, absolut gleichgroße Kreise? Viel Spaß. Ich nehme ganz nonchalant den Blätterteig aus dem Kühlregal – im Gegensatz zu sonst. Aber das muss sich wirklich kein Mensch antun. Anton, der Italiener von gegenüber, also Antonio, versprach mir in die Hand, er kenne niemanden von Ligurien bis Friaul, der für diese oder ähnliche pikante Torten Blätterteig selber herstelle. Ein Freibrief, danke! Eine geölte Form also legen wir mit der Hälfte des Teiges aus, pieksen ein paarmal hinein – und bewahren Hälfte Nr. 2 für den Schluss.

Die Füllung hört nicht weniger spektakulär an als sich der Moment der Enthüllung schließlich darstellen wird. Geduld! – Reichlich Blattspinat putzen, waschen, blanchieren, auspressen, hacken. Brötchen oder Weißbrot in Milch einweichen, sanft ausdrücken. Mit Eiern, Parmesan und Ricotta zerpatschen, gut würzen! Jetzt auf dem Teig verteilen, Mulden hineindrücken und dort frischen Eier hineingeben (ohne Schale!). Zudecken mit dem Rest-Teig, vorsichtig einstechen und mit Eigelb oder Olivenöl bestreichen. Bei 160 Grad eine Stunde backen. Oder etwas länger. Und jetzt kommt´s: Wir schneiden die Torte auf … und alle so Aaaah! Denn so ein Stück kömmt wahrlich bunt daher, mit dem Höhepunkt des zwischenzeitlich hart gewordenen Hühnereis.

Ähnliche Rezepte haben es längst in diese gräulichen Aufback-Shops in den Bahnhöfen geschafft. Auf als Börek etc. heißt uns Ähnlichen allenthalben willkommen. Da fällt mir ein: Peynirli Boregi ist eine höchst ansehnliche Pasteten-Schwester der Torta, original (wenn es das geben sollte) mit Wildgemüse (Sally Butcher empfiehlt Brennnesseln) und Schafskäse. Na, da denkt man doch gleich an Spanakopita, nicht wahr? Die ist dann wieder mit Spinat.

Übrigens, es kommt ja vor, dass man jemanden ehren oder gar beeindrucken möchte. Bringt mal eine torta pasqualina zu einem Picknick mit, wenn die anderen bräunlich gewordene Rohkost aus den Plastikboxen fummeln. Keine Frage, wem da die Herzen etc. zufliegen!

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